Schulentwicklung

Die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen ist seit der Strukturreform 2003 das Gewerbliche Schulzentrum des Zollernalbkreises. Es entstand durch die Zusammenlegung der drei gewerblichen Schulen Albstadt, Balingen und Hechingen. Diese Umstrukturierung, die Größe der Schule (ca. 2.500 Schüler und 130 Lehrer), aber auch die Tatsache, dass die Schule auf zwei Balinger Standorte und auf sieben Gebäude verteilt ist, erfordert eine funktionierende Kommunikation und geregelte Abläufe. Dies sind zwei der Ziele des Qualitätsmanagement-Systems der Schule, das in diesem Artikel vorgestellt wird.

Nachfolgend wird der Begriff „Qualitätsmanagement“ mit „QM“ abgekürzt, der Name „Philipp-Matthäus-Hahn-Schule“ mit „PMH-Schule“. Der einfacheren Lesbarkeit wegen wird bei Rollenbezeichnungen (z.B. „Schüler“) nur die männliche Form verwendet.

Ausführliche Informationen zu OES: http://www.oes-bw.de/

Qualitätsentwicklung an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule

QM hat zum Ziel, dass die Organisation aus eigener Kraft ihre Leistungen verbessert. Bereits vor der Strukturreform erarbeitete sich die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Albstadt ein QM-System: Seit dem Schuljahr 2000 / 2001 war sie eine von vier Pilotschulen für das QM-System EFQM (European Foundation for Quality Management). Im Projekt STEBS (Stärkung der Eigenständigkeit Beruflicher Schulen) widmete sie sich den Themen „Team-Entwicklung“ und „Öffentlichkeitsarbeit“.

Das neue Gewerbliche Schulzentrum Balingen führte das Engagement im STEBS-Projekt fort. Im November 2003 begann die PMH-Schule mit 14 weiteren beruflichen Schulen in Baden-Württemberg das Modellvorhaben OES (Operativ Eigenständige Schule) und wurde im Januar 2007 von Kultusminister Rau als OES-Schule zertifiziert.

Das QM-System der PMH-Schule ist nach ISO 9001 zertifiziert.  Dadurch erhält die Schule einen weiteren unabhängigen Blick auf die Zuverlässigkeit der schulischen Abläufe. Das Zertifikat soll der Schule die Fähigkeit bescheinigen, die Qualität ihrer Arbeit aus eigener Kraft zu erhalten und zu verbessern.

QM-System der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule

Dem QM-System der PMH-Schule liegt die Annahme zu Grunde, dass die Qualität der schulischen Ausbildung hauptsächlich durch die folgenden zwei Faktoren beeinflusst wird:

  • durch den einzelnen Lehrer (Methodik, Einstellung, Fachwissen, usw.)
  • durch die Schule als Organisation (Kommunikation, Führung, Ausstattung, Regeln, usw.)

Das QM-System der PMH-Schule besteht deshalb aus zwei Regelkreisen, deren Elemente nachfolgend näher erläutert werden.

QM-Zyklus des einzelnen Lehrers

QM-Zyklus des einzelnen LehrersDer Lehrer an der PMH-Schule lässt sich auf unterschiedliche Art und Weise Rückmeldung dazu geben, ob er ein „guter Lehrer“ ist:

  • über die Befragung einer Schulklasse mittels eines einheitlichen, anonymen Fragebogens
  • über die Rückmeldung eines Kollegen, mit dem der Lehrer auf Vertrauensbasis ein „Tandem“ bildet, das sich gegenseitig im Unterricht besucht
  • über das „Mitarbeitergespräch“ des Lehrers mit dem Vorgesetzten. Inhalte und Rahmenbedingungen dieses Mitarbeitergesprächs wurden gemeinschaftlich zwischen der Schulleitung und Vertretern des Kollegiums erarbeitet.

Jeder dieser drei Arten von Rückmeldung folgen auch Vereinbarungen über die Ziele, die sich der einzelne Lehrer setzt. Unterstützung bei der Umsetzung dieser Ziele erhält der Lehrer z.B. durch Fortbildungen, vor allem aber auch durch die Ratschläge des Kollegen aus dem „Tandem“.

QM-Zyklus der Schule als Organisation

QM-Zyklus der SchuleDie Schule stellt sich regelmäßigen Fremdevaluationen durch das Landesinstitut für Schulentwicklung bzw. Auditoren der freien Wirtschaft. Die Schule evaluiert sich selbst, indem sie z.B. Schüler und Eltern zum Schulklima und duale Partner zur Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit befragt. Das schulinterne Audit überprüft regelmäßig die Aktualität und die Einhaltung der Verfahrensbeschreibungen. Im Management Review bewertet die Schulleitung den Stand des QM an der Schule und setzt Ziele für die weitere Entwicklung. An der PMH-Schule ist ein schulisches Vorschlagswesen ähnlich einem betrieblichen Vorschlagswesen etabliert. Die am Schulleben Beteiligten haben die Möglichkeit, über mehrere „Briefkästen“ Verbesserungsvorschläge unkompliziert einzureichen. Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung der PMH-Schule haben sich ein Leitbild gegeben, welches das Selbstverständnis der Schule hinsichtlich Werten, Auftrag, Unterricht, Führung und Partnerschaften der Schule formuliert. Die Schulleitung orientiert sich an den selbst gewählten Maßstäben „Beteiligung“, „Anerkennung“, „Leadership“, „Information“, „Nachhaltigkeit“, „Geduld“, „Effizienz“ und „Neugier“ (B-A-L-I-N-G-E-N). Die PMH-Schule hat Vereinbarungen mit der Schulaufsichtsbehörde getroffen hinsichtlich ihrer Qualitätsentwicklungsziele. Wiederkehrende Abläufe an der PMH-Schule werden als Prozesse beschrieben, aufwändigere Maßnahmen mittels Techniken des Projektmanagement umgesetzt.

Organisation der QM-Arbeit

QM ist Schulleitungsaufgabe, was auch die Abteilungsleitungen einschließt. Im Sinne der Kooperation zwischen der Schulleitung und dem Kollegium wird QM-Arbeit vor allem auch in der Schulentwicklungsgruppe (Steuergruppe), dem Evaluationsteam und den Projektgruppen geleistet. Die Gesamtlehrerkonferenz, der örtliche Personalrat sowie der Beauftragte für Chancengleichheit sind – je nach Tragweite – in die QM-Arbeit eingebunden:

Organisation der QM-Arbeit

Schulentwicklungsgruppe (Steuergruppe)

Aufgaben und Befugnisse

Die Schulentwicklungsgruppe unterstützt und fördert die Entwicklung der Schule. Sie hat folgende Aufgaben:

  • Sie erarbeitet Konzepte zur mittel- und langfristigen Entwicklung der Schule.
  • Sie erarbeitet Ideen und Konzepte zur schulinternen Kommunikation.
  • Sie wirkt bei der Konzeption, Planung und Gestaltung von Veranstaltungen im Rahmen der Schulentwicklung vorwiegend beratend mit.
  • Sie erörtert Schulentwicklungs-Projekte und -Projektanträge und gibt Empfehlungen zur Genehmigung von Projekten.
  • Sie bringt aktuelle Informationen und Publikationen zur Schulentwicklung ins Gespräch.
  • Die Mitglieder beraten nach Bedarf einzelne Kollegen zu Fragen der Schulentwicklung und zu Fragen der Projektgestaltung.

Die Schulentwicklungsgruppe ist kein Entscheidungsgremium, ihre Befugnisse beziehen sich in erster Linie auf ein umfassendes Vorschlagsrecht gegenüber der Schulleitung und dem Schulleitungsteam, z.B. was die Einrichtung von Projekten, die Ressourcenvergabe u.a. betrifft.  Außerdem wird die Schulentwicklungsgruppe umfassend über alle ihre Arbeit betreffenden schulischen Angelegenheiten informiert.

Zusammensetzung

Die Schulentwicklungsgruppe setzt sich derzeit aus sieben Mitgliedern zusammen:

  • Qualitätsmanagementbeauftragter (leitet die Schulentwicklungsgruppe)
  • Schulleiter
  • stellvertretender Schulleiter
  • Beauftragter für das Qualitätshandbuch
  • Leiter des Evaluationsteams
  • Mitglied des örtlichen Personalrats
  • ein durch die Gesamtlehrerkonferenz gewähltes Mitglied aus dem Kollegium.

Der Schulleiter und der stellvertretende Schulleiter sind „ganz normale“ Mitglieder der Schulentwicklungsgruppe. Wird diese Hierarchielosigkeit innerhalb der Schulentwicklungsgruppe tatsächlich praktiziert, ist die Atmosphäre zu offener, kritischer Auseinandersetzung mit den Problemen der Schulentwicklung geschaffen.

Evaluation und Feedback sowie die Beschreibung von wiederkehrenden Abläufen sind wichtige Bestandteile des QM-Systems der PMH-Schule. Daher sind der Beauftragte für das Qualitätshandbuch sowie der Leiter des Evaluationsteams feste Mitglieder der Schulentwicklungsgruppe.

Durch die Mitarbeit des Vorsitzenden des örtlichen Personalrats sowie eines durch die Gesamtlehrerkonferenz gewählten weiteren Mitglieds können das Kollegium betreffende Themen direkt in der Schulentwicklungsgruppe besprochen werden (Beispiel: Gestaltung des Individualfeedback-Prozesses).

Je nach Arbeitsthema lädt die Schulentwicklungsgruppe schulinterne oder -externe Experten in ihre Sitzungen ein. Während der Vorbereitungen zur Zertifizierung nach ISO 9001 beispielsweise bildete sich so eine „erweiterte Schulentwicklungsgruppe“ aus drei Kollegen, die durch vorherige Berufstätigkeit in der Wirtschaft bereits umfangreiche Erfahrungen im Audit besitzen.