Literatur und „Lampenfieber“ – Poetry Slam-Wettbewerb

Schülerinnen und Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen richten einen Poetry Slam-Wettbewerb aus. Gewinner sind Leon Essig und Lea Hirsch. (Foto: Sodamin)

Dass es an der Gewerblichen Schule Balingen nicht nur um Technik und Digitalisierung geht, zeigen viele kreative Zugänge und Schwerpunkte in klassischen Ausbildungsberufen wie Schreiner, Zimmerer, Modeschneider oder Friseure und natürlich das Fach Gestaltungs- und Medientechnik am Technischen Gymnasium.


Nun bewies die Schülermitverwaltung (SMV), dass noch mehr geht: Sie organisierte erstmals einen literarischen Vortragswettbewerb für Schülerinnen und Schüler – mit Schülerinnen und Schülern. Die Resonanz war hoch: Rund 130 Zuschauer waren in der Aula der PMH-Schule zusammen gekommen, um dem Vortrag von acht Schülerinnen und Schülern zu lauschen und eine Bewertung abzugeben.

In die Wettbewerbsregeln führte die Abiturientin Evgenija Gerciu vom Literaturkurs des Technischen Gymnasiums ein, die als SMV-Mitglied federführend an der Veranstaltungsplanung mitgewirkt hatte und auch die Moderation übernahm. Die Teilnehmer erhielten jeweils acht Minuten Zeit, um ihre selbst verfassten Texte vorzutragen. Eine aus dem Publikum zusammengestellte fünfköpfige Jury nahm anhand einer Skala ihre Wertung vor und berücksichtigte dabei auch die Intensität des Beifalls der Zuhörer. Die besten drei Beiträge führten ins Finale.

Vom klassischen gereimten Gedicht, über Kurzgeschichten bis zum Kurz-Essay trugen die acht Poetry Slammer ihre Gedanken zu den ihnen wichtigen Themen der Zeit vor. Dabei gab es eine große inhaltliche Bandbreite: Es ging um das seelische Leiden der Flüchtlinge, um Smartphoneabhängigkeit, ein „unverhofftes Wiedersehen“, um Freiheit und Träume. Den größten Applaus fanden die Schülerinnen Lea Hirsch mit ihrem Beitrag „Zeitgefühl“ und Annika Clesle mit einem amüsanten Gedicht über das Schul- und Privatleben der Jugendlichen sowie Leon Essig mit einem Stück aus seiner Sammlung „Das Bordell der Lyrik“. Kritisch und zweideutig und dabei sehr amüsant entlarvte er darin die Oberflächlichkeit der Gesellschaft und prangerte an, dass Frauen oft nur als Objekte gesehen würden.

Diese drei Teilnehmer standen nach einer kurzen Kuchenpause im Finale, in dem sie mit neuen Beiträgen antreten mussten. Am Ende gab es ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Leon Essig mit seinem Gedicht „Lampenfieber“ über einen kaufsüchtigen jungen Erwachsenen und Lea Hirsch, die in ihrem Text „Perspektivenwechsel“ dafür plädierte, sich in andere hineinzuversetzen um Situationen, aber auch das eigene Verhalten aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Zum Schluss forderte Evgenija Gerciu das Publikum auf, die Platzierung der Finalisten über die Stärke des Applauses festzulegen, aber die ließ sich bei den beiden Spitzenreitern selbst mit Einzelbefragungen nicht unterscheiden und so wurde der erste Preis zweimal vergeben, an Lea Hirsch und Leon Essig. Nach vielen Danksagungen und großem Applaus schloss diese erste Poetry Slam-Veranstaltung an der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule – und macht Lust auf weitere poetische Turniere in den folgenden Schuljahren.

Dr. Ines Mayer Pressereferentin, Michael Dehner SMV; Klasse TO1