„Schule trifft Rathaus“ eine Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung

Schüler der Klassen „Vorbereitung auf die Arbeitswelt“ (VABO), Technisches Berufskolleg (1BK2T) und der „Technischen Oberschule“ (TO) diskutieren im Rathaus von Balingen. (22.2.2018)

Unter dem Motto „Schule trifft Rathaus“ haben sich neunzehn Schülerinnen und Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule am vergangenen Donnerstag, den 22.2.2018 getroffen und sich auf den Weg zum Balinger Rathaus gemacht.


Dort trafen sie sich mit den Referenten und Referentinnen der Landeszentrale für politische Bildung, um Einblicke in die kommunale Politik zu bekommen. Unter der Leitung von Herrn Vincenzi, der die Schüler und Schülerinnen für die Veranstaltung ausgewählt hat, stand aber nicht nur der Aspekt der kommunalen Politik im Vordergrund, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Flüchtlingsjugendlichen aus den VABO-Klassen (VABO = Vorbereitung auf die Arbeitswelt). So kam eine multikulturelle Truppe aus neun VABO, fünf aus der BK2T als auch fünf Schüler und Schülerinnen aus der TO1 zusammen, die sich vor Ort dann sogleich an die Arbeit machten. Als einer der Schüler aus der TO1 (TO = Technische Oberschule), war ich bei dieser Veranstaltung vertreten und möchte gerne davon berichten.

Nico Österwind vor der gemeinsam erstellten Ideentafel.

 

Da Jugend und Politik schon seit je her ein heißes Eisen sind, war es umso interessanter dies mit nicht deutschstämmigen Mitschülern zu erleben. Wir wurden um 9:30 Uhr im Rathaus Balingen empfangen und begaben uns gleich in den „Großen Sitzungssaal“ der genug Platz für alle bot.

Um die Stimmung zu Beginn aufzulockern, haben sich die fünf Referenten/innen der Landeszentral für politische Bildung ein „Vier-Ecken-Spiel“  ausgedacht. So hatten wir alle auch die erst Gelegenheit uns kennenzulernen und mit den VABO-Schülern/innen in Kontakt zu treten. Da wir in Bezug auf unsere Vorkenntnisse eine sehr gemischte Gruppe waren, war es in der folgenden Gruppenarbeit umso spannender und interessanter mit den Schülern der VABO-Klassen zusammenzuarbeiten. Die in Deutschland vorhandenen politischen Ebenen, deren Repräsentanten/innen, als auch ihre Aufgaben, wurden in zwei Gruppenarbeitsphase erarbeitet. Die Schüchternheit legte sich mit der Zeit und ich fand es beeindruckend, wie die verschiedenen Niveaus der Schüler miteinander harmonierten.

Zwischendurch gab es mehrere kleine Pausen von fünf bis zehn Minuten, in denen auch ein großzügiges Getränkeangebot von Seiten der Stadt bereitgestellt wurde.

In fünf Gruppen wurden dann die Freiwilligen- als auch die Pflichtaufgaben der Kommune erarbeitet und präsentiert. Dabei erfuhren wir, dass die Freiwillige Feuerwehr eigentlich gar nicht so freiwillig ist, da sie eine Pflichtaufgabe für jede Gemeinde darstellt und wenn diese nicht aufgestellt werden kann, eine Zwangsrekrutierung aus der Bürgerschaft erfolgen kann.

Nach dieser intensiven Arbeitsphase machten wir uns, in Form einer Traumreise, auf den Weg in unsere „Traumgemeinde“. Wir schlossen die Augen und hörten der Referentin aufmerksam zu, die es gekonnt verstand unsere Gedanken zu führen und dadurch unsere Fantasie angeregt hat, sodass wir im Anschluss unsere eigenen Eindrücke zu unserer persönlichen Traumgemeinde niederschreiben konnten. Anschließend diskutierten wir dann in unseren Arbeitsgruppen darüber, wie die jeweilige Traumgemeinde aussehen könnte. Auch hier zeigte sich, dass die Vorstellung der BK und TO Schüler/innen, als auch die der VABO Schüler/innen nicht weit auseinanderlagen.

Die Zwischenergebnisse wurden im Plenum präsentiert und bildeten zugleich die Grundlage für das Treffen mit Oberbürgermeister Helmut Reitemann. Die Ideen beinhalteten einerseits Aspekte der Freizeitgestaltung wie zum Beispiel ein Aktion-Stadion oder sogar einem Strand mitten in der Stadt andererseits standen auch Fragen der Nachhaltigkeit und Fair-Trade auf der Agenda für das Gespräch mit dem OB. In einer Abstimmung konnten dann alle Teilnehmer bis zu drei Stimmen vergeben, welche Aspekte sie für besonders wichtig erachteten und sich für Balingen wünschen würden.

v.l.n.r. H. Reitemann, G. Moskovic

Nach einer kurzen Pause kam sodann der OB, begrüßte uns alle mit einem Lächeln und einem Händedruck und stellte sich kurz vor. Auch hier gelang es Nico Österwind, dem Moderator der Veranstaltung, wieder sehr gut die Vorstellung interessant zu gestalten, indem er den OB Sätze beenden lies, zum Beispiel „Als Oberbürgermeister der Stadt Balingen wünsche ich mir…“ Anschließend durften fünf zuvor freiwillig gewählte Schülerinnen und Schüler neben dem OB auf dem „hot seat“ Platz nehmen und ihm jeweils ein Thema aus der Gruppenarbeit vortragen. Dabei ging es zunächst um einen Strand in Balingen, die Idee kam von der VABO Schülerin Gabriela Moskovic, ein solcher Strand, so Reitemann, könne tatsächlich Realität werden, allerdings nicht mitten in der Stadt, sondern eher am Ufer der Eyach, nämlich im Rahmen der Landesgartenschau, die in Balingen 2023 stattfinden wird. Hinzu kommen ebenfalls weitere Möglichkeiten von Freizeit- und Sportaktivitäten wie zum Beispiel einem Skater Park. Dies wäre der sogenannte Aktivpark, welcher auch nach der Gartenschau als Daueranlage weiterexistieren soll.

Was Umwelt und Nachhaltigkeit betrifft, erläuterte uns der OB den Einsatz von Blockheizkraftwerken, die in Balingen momentan für Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden. Auch wolle er die Förderung von Elektrozapfsäulen intensivieren. Doch hege er persönlich eine sehr große Sympathie für Brennstoffzellen und würde mögliche Wasserstofftankstellen nicht in Frage stellen. Dementsprechend steht er auch dem Ausbau erneuerbarer Energiequellen wie Solarzellen äußerst offen gegenüber und erläuterte uns auch die Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten für zukünftige Bauvorhaben der Stadt. Stolz konnte er uns auch mitteilen, dass Balingen seit Dezember 2017 zum zweiten Mal das Fair Trade Siegel des Vereins Transfair erhalten hat und somit zeigt, dass die Stadt Balingen sich auch nach außen für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit engagiert.

v.l.n.r H. Reitermann, M. Dehner

Letztlich wurden noch die Fragen geklärt, wo und wie sowohl die Jugend als auch die ältere Generation ihren Alltag in der Stadt verbringen können. Man wünsche sich mehrere kleinere Sporteinrichtungen in der Stadt und auch die Möglichkeit, fremde Sportarten betreiben zu können. Hierbei verwies Reitemann darauf, dass mit der Gartenschau und den geplanten Einrichtungen auf diesen Wunsch eingegangen werden soll. Ihm sei wichtig, dass Jung und Alt gleichermaßen ihre Aktivitäten nachgehen können. Für neue Trendsportarten wie zum Beispiel American Football könne man auch Raum schaffen, doch muss das Interesse und die Nachhaltigkeit durch die Bürger und Bürgerinnen gewährleistet sein.

Nach dieser Diskussionsrunde konnten noch einzelne Fragen und Belange vom Oberbürgermeister beantwortet werden. Zum Abschluss äußerte Herr Reitemann seine Meinung zur Beteiligung der Jugend an der Kommunalpolitik und freut sich jederzeit über Ideen zu und für verschiedene Vorhaben. Es sei wichtig, dass sich auch Jugendliche mit in die Politik einbrächten.

Erste Reihe v.l.n.r. David Kaul, Michael Dehner, Lara Bitzer, Ahmed Battal, Anika Clesle, Cenk Mutlu, Deana Sribljan, Denise Silva, Maroa Cheikh Youseff. Zweite Reihe v.r.n.l Amina Kurbegovic, Antonia Panza, Gabriela Moskovic, Jannus Carstens, Pascal Siegmund, Dorian Bögehold, Sezel Ahmedov, Nico Österwind, Elisei Frincú, Gerlinde Bien, David Weyrich, Tim Decker.

 

Persönlich fand ich, war es ein sehr gelungener Tag. Das Programm war hervorragend strukturiert und wir konnten so einiges über die Kommunalpolitik lernen. Leider waren die wenigen Stunden so voll verplant, dass doch nicht so viel Zeit blieb, um sich untereinander noch näher kennenzulernen und zu verständigen.

Eine Veranstaltung die so klassenübergreifend stattfindet, kommt leider viel zu selten vor. Dabei fände ich es umso wichtiger, die Kommunikation unter den einzelnen Schulformen zu fördern. Im Gespräch mit den VABO Schüler/innen konnte ich selbstverständlich unterschiedliche Meinungen bezüglich Politik und Interessen heraushören, doch fanden alle die Veranstaltung eine interessante Abwechslung. So hoffe und wünsche ich für die Zukunft weitere solcher Möglichkeiten, die es uns erlauben, gemeinsam etwas zu lernen und dadurch Brücken zu schaffen, um die Integration von ausländischen Mitbürgern in unserer Gesellschafft zu erleichtern. Das sollte unser Anspruch sein, denn so können wir alle in unserem täglichen Leben eine zukunftsweisende Politik leben, wenn es schon unsere Bundesregierung nicht schafft eine funktionierende Integrationspolitik zu betreiben. Diese Veranstaltung war nur der erste Schritt, hoffen wir, dass noch viele folgen werden.

Michael Dehner.