Mehr als der Nahost-Konflikt. Die israelische Generalkonsulin auf Besuch

Die Generalkonsulin des Staates Israel Sandra Simovich besuchte die Gewerbliche Schule in Balingen, um mit Abiturienten des Technischen Gymnasiums über ein „buntes Land“ zu sprechen.

„Was wisst ihr denn schon über Israel?“ fragte Julie Grimmeisen, die akademische Leiterin des israelischen Generalkonsulats in München die Schülerinnen und Schüler zweier Klassen des TG Balingen zu Beginn der Veranstaltung. Offenbar gar nicht so wenig, denn schnell füllte sich der Flipchart-Bogen mit den Beiträgen der Schüler. Vom kürzlich begangenen Unabhängigkeitstag bis zum Eurovision Song Contest, von der religiösen Bedeutung Jerusalems bis zur Start up-Nation spannte sich der Bogen. Julie Grimmeisen notierte alles und griff dann einzelne Themen aus der Liste auf, um mehr darüber zu erzählen. Dabei war es ihr wichtig zu zeigen, dass Israel nicht nur „der Konflikt“ sei, sondern ein vielseitiges, buntes Land. Dann übergab sie an die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich und ab jetzt ging es auf Englisch weiter.

Geboren in Rumänien, zog Simovich im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach Israel, machte das Abitur, absolvierte den Militärdienst und studierte Jura, bevor sie in den diplomatischen Dienst eintrat. Sie erklärte den Schülern den Unterschied zwischen Botschaft und Konsulat und betonte, dass das Konsulat in München, das für ganz Süddeutschland zuständig ist, das einzige Konsulat in der gesamten EU sei. Sie selbst sieht ihre Aufgabe darin, die Menschen in Süddeutschland und Israel zusammenzubringen, vor allem die Jugendlichen, denn sie seien die Zukunft. Dabei gehe es ihr auch darum, ein komplexeres Bild ihres Landes zu vermitteln als die oftmals klischeehaften Vorstellungen. „Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß“, sagte Simovic.

Die Schülerinnen und Schüler der Mechatronik- und der Umwelttechnik-Klasse nutzten die Gelegenheit und stellten zahlreiche Fragen. Der Nahostkonflikt sei schwierig zu verstehen, meinte ein Schüler, ob sie ihn denn verstehe. „Eine sehr gute Frage!“ entgegnete Sandra Simovich und lachte. Ja, sie wisse schon, worum es gehe, welche Konfliktparteien und Streitpunkte es gebe, aber eine Lösung? Nein, die habe sie auch nicht. Ein anderer Schüler wollte wissen, ob sie während ihres Militärdienstes in Kampfgebieten war. „Nein, die Soldatinnen müssen das nicht, die jungen Männer sehr wohl.“ Und dann fragte Sandra Simovich zurück, welches Bild man in Deutschland von der Bundeswehr habe. Ein eher kritisches, meinte ein Schüler. „Sehen Sie, das ist in Israel ganz anders“, erklärte die Generalkonsulin. „Unsere Armee hat ein sehr hohes Ansehen.“ Weil alle jungen Menschen dort Wehrdienst leisten, nennen die Israelis die Soldaten „unsere Kinder“.

Zum Schluss ermutigte Simovich die Abiturienten, Israel zu besuchen oder dort zu studieren. Es gebe Stipendien, beispielsweise vom baden-württembergischen Landtag. Ob denn jemand vorhabe, in nächster Zeit nach Israel zu reisen? Ja, ein Schüler wird ab Herbst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Jerusalem ableisten. Er wird dort in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen arbeiten. Ein anderer kann sich vorstellen, mit Freunden durchs Land zu reisen und zu zelten. Und die Klassensprecherin der Mechatronik-Klasse nutzte die Gelegenheit und fragte, ob vielleicht ein Besuch im Konsulat möglich sei. Die Klasse sei nämlich nächste Woche auf Studienfahrt in München. „Lassen Sie uns einen Termin vereinbaren“, sagten Sandra Simovich und Julie Grimmeisen. „Das müssten wir hinbekommen.“

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Einblicke in ein buntes Land: Die israelische Generalkonsulin Sandra Simovich (Mitte, mit Brille) sprach mit Abiturienten des Technischen Gymnasiums der PMH-Schule Balingen. Eingerahmt wird sie von Schulleiter Eugen Straubinger und der akademischen Leiterin des Münchner Generalkonsulats Julie Grimmeisen.

Dr. Ines Mayer
Pressereferentin